19,5 Millionen Schritte in zehn Tagen. Das ist keine gerundete Hochglanzstatistik aus einer Werbebroschüre – das ist die Zwischenbilanz einer laufenden Schritte-Challenge beim Polizeipräsidium Bochum. 162 Mitarbeitende, verteilt auf 31 Teams aus Bochum, Herne und Witten, haben diese Zahl gemeinsam erreicht. Und die Challenge ist noch nicht vorbei.
Was auf den ersten Blick wie eine beeindruckende Zahl wirkt, erzählt bei genauerem Hinsehen eine viel interessantere Geschichte: darüber, was passiert, wenn eine Behörde mit Schichtdienst, hoher psychischer Belastung und verteilten Standorten beschließt, Bewegung zum gemeinsamen Nenner zu machen.
Eine Behörde, drei Städte, ein gemeinsames Ziel
Das Polizeipräsidium Bochum ist keine klassische Büroorganisation. Die Mitarbeitenden arbeiten im Wechselschicht, sind über mehrere Standorte verteilt und stehen täglich unter erheblichem beruflichen Druck. Genau deshalb ist es bemerkenswert, dass eine Schritte-Challenge hier nicht nur stattfindet – sondern offensichtlich funktioniert. 31 Teams, gebildet aus Kolleginnen und Kollegen, die sich im Alltag vielleicht nie im selben Flur begegnen, laufen gemeinsam auf ein Ziel zu.
Dieser Ansatz ist kein Zufall. Wer eine Schritte-Challenge über Standortgrenzen hinweg organisiert, schafft eine neue Art von Verbindung: nicht die, die durch Hierarchie oder Abteilung entsteht, sondern die, die durch geteilte Erfahrung wächst. Und das ist in Organisationen wie der Polizei, wo das Wir-Gefühl ohnehin eine besondere Rolle spielt, ein starkes Signal.
Halbzeit: Was 19,5 Millionen Schritte über die Teilnahme verraten
19,5 Millionen Schritte in zehn Tagen, auf 162 Teilnehmende aufgeteilt, ergibt einen Durchschnitt von rund 12.000 Schritten pro Person und Tag – deutlich über dem deutschen Schnitt von 5.000 bis 6.000 Schritten, den das Robert Koch-Institut in der KiGGS-Kohorte und ähnlichen Bewegungsstudien für Erwachsene ausweist. Das bedeutet: Diese Challenge bewirkt echte Verhaltensveränderung, keine oberflächliche Mitnahme.
In der Praxis zeigt sich bei Schritte-Challenges immer wieder das gleiche Muster: Die erste Woche entscheidet über den Verlauf der gesamten Challenge. Wer in den ersten Tagen aktiv dabei ist, bleibt es meistens bis zum Ende. Umgekehrt ist der Einstieg nach einer passiven ersten Woche selten. Das Halbzeitergebnis beim Polizeipräsidium Bochum deutet darauf hin, dass die Startphase gut gelungen ist – 162 aktive Teilnehmende nach zehn Tagen sind kein Zufallsergebnis, sondern ein Zeichen für eine gut vorbereitete Challenge.
Warum Bewegung im Sicherheitsbereich doppelt zählt
Polizeiarbeit ist körperlich wie psychisch anspruchsvoll. Burnout, Schlafstörungen und Muskel-Skelett-Erkrankungen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen in der öffentlichen Sicherheitsbranche. Eine Analyse des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung aus dem Jahr 2022 belegt, dass Beschäftigte in Berufen mit hoher psychischer Belastung besonders von regelmäßiger körperlicher Aktivität profitieren – nicht nur hinsichtlich körperlicher Fitness, sondern auch beim Stressabbau und der emotionalen Regulationsfähigkeit.
Das macht eine Schritte-Challenge in diesem Kontext zu weit mehr als einem Betriebssport-Angebot. Sie ist eine niedrigschwellige, alltagstaugliche Intervention, die keine Sportausrüstung, keine feste Trainingszeit und keinen Wettkampfdruck erfordert. Gehen geht immer – ob nach dem Nachtdienst, in der Mittagspause oder auf dem Heimweg. Und genau das macht das Format für eine Behörde mit so unterschiedlichen Arbeitszeiten und -orten so passend.
31 Teams: Die Teamdynamik als Hauptantrieb
Wer schon einmal eine Schritte-Challenge mitorganisiert hat, weiß: Das Gemeinschaftsgefühl ist der stärkste Motivator. Nicht die App, nicht das Ranking, nicht die Prämie am Ende – sondern die Frage: „Was hat unser Team heute?" Genau dieses Prinzip funktioniert beim Polizeipräsidium Bochum offenbar sehr gut. 31 Teams bedeuten 31 kleine Einheiten, in denen gegenseitige Ermutigung, Humor und sportlicher Ehrgeiz entstehen können.
Viele HR-Verantwortliche berichten, dass Teams, die gemeinsam an einer Schritte-Challenge teilnehmen, auch nach dem Ende des Programms enger zusammenarbeiten. Laut einer Studie der Harvard Business School aus dem Jahr 2023 steigern gemeinsame körperliche Aktivitäten die Kooperationsbereitschaft unter Kollegen messbar – unabhängig davon, ob die Aktivität synchron oder zeitversetzt stattfindet. Teams wie die bei instingo gebündelten Gruppen aus Bochum, Herne und Witten schaffen genau diese Art von Verbindung.
Besonders interessant: Wenn Teams über Standortgrenzen hinweg gebildet werden, entstehen oft Verbindungen, die im normalen Dienstalltag nie entstanden wären. Ein Kollege in Herne, der sonst nie mit dem Team in Witten kommuniziert, trägt jetzt zum gleichen Gesamtergebnis bei. Das ist kein triviales Detail – das ist gelebtes Miteinander.
Was die Halbzeit lehrt: Momentum halten, nicht verwalten
Halbzeit ist ein kritischer Moment. Die anfängliche Euphorie hat sich gelegt, der Alltag kehrt zurück, und die zweite Hälfte einer Challenge entscheidet oft darüber, ob Teilnehmende am Ende wirklich etwas aus dem Erlebnis mitnehmen. In der Praxis hat sich gezeigt, dass gezielte Impulse genau in dieser Phase den Unterschied machen.
Konkret hilft in dieser Phase: ein kurzes Update an alle Teilnehmenden mit dem Gesamtergebnis, Shoutouts an Teams mit besonderer Leistung, und manchmal auch eine kleine Herausforderung innerhalb der Challenge – etwa ein gemeinsamer Schritttag oder ein thematischer Boost-Tag. Was nicht hilft, ist Schweigen. Wer nach dem Launch einer Challenge zwei Wochen nichts kommuniziert, riskiert, dass das Engagement einschläft. Beim Polizeipräsidium Bochum zeigt das Halbzeitergebnis, dass die Energie noch voll vorhanden ist. Die Frage ist, wie sie in den verbleibenden Tagen gehalten und weitergeführt wird.
Bochum, Herne, Witten: Wenn Regionalität zum Gemeinschaftsgefühl wird
Es ist kein Zufall, dass der Titel dieser Challenge explizit die drei Städte nennt. Regionale Identität ist ein unterschätzter Faktor im Corporate Wellness. Wer eine Challenge unter dem Dach einer gemeinsamen Region oder eines gemeinsamen Arbeitgebers startet, nutzt ein vorhandenes Zugehörigkeitsgefühl und verstärkt es. „Bochum, Herne und Witten gemeinsam am stärksten" – dieser Satz ist mehr als eine Motivationsformel. Er sagt den Teilnehmenden: Ihr gehört zusammen, ihr seid stärker als jeder einzelne Standort für sich.
Solche Narrativen sind im BGM unterschätzt. Laut einer Untersuchung des Wirtschaftspsychologischen Instituts Bonn (2021) steigt die intrinsische Motivation bei Gesundheitsprogrammen signifikant, wenn Teilnehmende das Gefühl haben, Teil einer größeren Gemeinschaft zu sein – und nicht nur Einzelpersonen mit einem Schrittzähler. Genau dieses Gemeinschaftsgefühl bauen standortübergreifende Challenges wie beim Polizeipräsidium Bochum auf.
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Das Polizeipräsidium Bochum zeigt, was möglich ist – auch unter schwierigen Rahmenbedingungen. Schichtdienst, mehrere Standorte, hohe Belastung: Keine dieser Bedingungen hat verhindert, dass 162 Menschen gemeinsam 19,5 Millionen Schritte in zehn Tagen zurücklegen. Was es gebraucht hat, war eine klare Entscheidung, eine einfache Plattform und das Vertrauen, dass die Mitarbeitenden mitmachen.
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