Wenn einer anfängt – und alle zuschauen
120.333 Schritte. Ein einziger Teilnehmer. Eine der ältesten Universitäten Deutschlands. Was klingt wie der unspektakuläre Beginn einer Statistik, ist in Wirklichkeit einer der lehrreichsten Momente, die eine Corporate-Wellness-Initiative hervorbringen kann. Die Eberhard Karls Universität Tübingen hat ihre Schritte-Challenge mit exakt einer Person gestartet – und damit, ob bewusst oder nicht, ein Signal gesetzt, das weitaus größer ist als die Zahl der gelaufenen Schritte selbst. Denn in jedem Unternehmen, jeder Behörde, jeder Hochschule gibt es diesen einen Moment, in dem irgendjemand anfangen muss. Tübingen hat ihn genutzt.
Was eine Einzel-Challenge über Organisationskultur verrät
In der Praxis zeigt sich immer wieder: Der häufigste Grund, warum Corporate-Wellness-Programme nie starten, ist nicht fehlendes Budget und nicht mangelnde Infrastruktur – es ist die Angst vor der leeren Teilnehmerliste. HR-Verantwortliche warten auf kritische Masse, auf Begeisterung von oben, auf den perfekten Zeitpunkt. Dabei übersehen sie, dass gerade der mutige Einzelstart eine Botschaft sendet, die kein E-Mail-Newsletter je so klar formulieren könnte: Hier passiert etwas. Und du könntest dabei sein.
Sozialpsychologisch ist dieses Phänomen gut belegt. Die Forschung zum sogenannten „Social Proof" – maßgeblich geprägt durch Robert Cialdinis Klassiker Influence – zeigt, dass Menschen ihr Verhalten stark an dem orientieren, was andere tun. Ein sichtbar aktiver Teilnehmer in einem Bewegungsprogramm ist deshalb kein Nullergebnis, sondern ein Startsignal. Er macht das Unsichtbare sichtbar: dass Gesundheit am Campus eine ernstzunehmende Angelegenheit ist, nicht nur eine hübsche PDF im Intranet.
120.333 Schritte sind, umgerechnet, knapp 85 Kilometer – eine Strecke von Tübingen fast bis Stuttgart. Wer das als Einzelperson über eine Challenge-Periode läuft, hat nicht nur beeindruckende Konsequenz bewiesen. Er hat gezeigt, dass man keine Gruppe braucht, um anzufangen. Aber er hat gleichzeitig eine Gruppe gebraucht, vor der er das tun konnte.
Der Irrtum der kritischen Masse: Warum viele HR-Teams zu lange warten
Viele HR-Verantwortliche berichten, dass sie Gesundheitsinitiativen solange intern vermarkten, bis eine Art magische Mindestbeteiligung erreicht ist – erst dann wird gestartet. Dieses Vorgehen ist verständlich, hat aber einen fundamentalen Haken: Es verschiebt den Start ins Unendliche. Denn intern zu vermarkten, was noch nicht existiert, ist deutlich schwerer als über etwas zu sprechen, das bereits läuft.
Eine Analyse des Beratungsunternehmens Deloitte aus dem Jahr 2023 zeigt, dass 61 Prozent der Mitarbeitenden Corporate-Wellness-Programme dann als relevant wahrnehmen, wenn Kollegen aktiv daran teilnehmen – nicht wenn HR-Kommunikation darüber schreibt (Deloitte Global 2023 Gen Z and Millennial Survey). Das ist ein entscheidender Unterschied. Die Glaubwürdigkeit eines Programms entsteht durch gelebte Praxis, nicht durch Ankündigung. Tübingen hat – vermutlich unbewusst – genau das richtig gemacht: starten, auch wenn nur einer dabei ist.
Für HR an Hochschulen und in Unternehmen gleichermaßen gilt: Ein Pilotstart mit einem engagierten Einzelteilnehmer ist kein Versagen, sondern eine Methode. Er produziert Sichtbarkeit, erzeugt Neugier und liefert gleichzeitig konkrete Daten – wie viele Schritte sind realistisch, wie verhält sich die Plattform, welche Kommunikationsanlässe entstehen?
120.333 Schritte als Kommunikationsmittel
Zahlen wirken. Eine konkrete Schrittzahl, die im Intranet oder im nächsten Team-Meeting genannt wird, hat eine andere Wirkung als der Satz „Wir haben eine Schritte-Challenge gestartet." 120.333 Schritte sind greifbar, vergleichbar und – ganz entscheidend – motivierend. Sie lösen eine Frage aus: Könnte ich das auch? Und diese Frage ist der Beginn jeder Beteiligung.
Bewegung am Arbeitsplatz wird von Mitarbeitenden dann als relevant erlebt, wenn sie in einem direkten sozialen Kontext stattfindet. Das zeigt u. a. eine Studie der Stanford University aus dem Jahr 2017, die belegt, dass Menschen, die sich in einem Teamkontext bewegten, bis zu 26 Prozent mehr gingen als Einzelpersonen ohne sozialen Anker (Hekler et al., 2017, Annals of Behavioral Medicine). Der Einzelstarter in Tübingen hat also genau das richtige Umfeld geschaffen, in das weitere Personen einsteigen können – einen aktiven Kontext, der auf sie wartet.
HR-Teams sollten diesen Moment aktiv nutzen: Wer die Challenge-Daten des Einzelstarters kommuniziert – über interne Newsletter, Aushänge in Mensen und Büros, kurze Beiträge im Campus-Netzwerk – macht aus einem Solo-Ergebnis eine Einladung. Nicht als Druck, sondern als Möglichkeit.
Was Hochschulen von Unternehmen lernen können – und umgekehrt
Universitäten sind in Sachen Corporate Wellness eine besonders interessante Zielgruppe, weil sie strukturell fragmentiert sind: Verwaltungsmitarbeitende, wissenschaftliches Personal, Lehrende und technische Kräfte arbeiten in sehr unterschiedlichen Rhythmen, an verschiedenen Gebäuden, mit unterschiedlichen Belastungsprofilen. Eine Schritte-Challenge ist dabei eines der wenigen Instrumente, das alle gleichzeitig erreichen kann – ohne Anwesenheitspflicht, ohne fixen Termin, ohne spezielle Ausrüstung.
Der BGF-Report des AOK-Bundesverbands (2023) zeigt, dass öffentliche Institutionen und Bildungseinrichtungen bei der systematischen Umsetzung von betrieblicher Gesundheitsförderung deutlich hinter privatwirtschaftlichen Unternehmen zurückliegen – obwohl der Bedarf ähnlich hoch ist. Der Grund: Strukturen sind träger, Entscheidungswege länger, und oft fehlt der interne Champion, der eine Maßnahme mit persönlichem Engagement vorantreibt. Genau das macht die Person in Tübingen so wertvoll: Sie ist dieser Champion. Und das sollte HR nicht unkommentiert lassen.
In Unternehmen ist das nicht anders. In den meisten Organisationen gibt es zwei oder drei Personen, die bereit wären, sofort loszulaufen – wenn man ihnen eine Plattform gibt. Die Frage ist nicht, ob diese Menschen existieren, sondern ob HR sie findet und sichtbar macht.
Best Practices: Wie HR aus einem Einzelstart eine Bewegung macht
Ein Einzelstart ist keine Niederlage – aber er ist auch noch kein Programm. Was jetzt folgt, entscheidet darüber, ob die Challenge ein einmaliges Experiment bleibt oder der Beginn einer dauerhaften Bewegungskultur. In der Praxis haben sich folgende Maßnahmen als besonders wirkungsvoll erwiesen:
Erstens: Sichtbarkeit schaffen. Kommuniziere die Ergebnisse des Einzelstarters aktiv und namentlich – natürlich mit dessen Einverständnis. Zahlen im sozialen Kontext wirken stärker als abstrakte Gesundheitsappelle. Ein kurzer Beitrag im Intranet, ein Post im Slack- oder Teams-Kanal, ein Aushang mit dem Bild und der Schrittzahl erzeugt Gesprächsstoff.
Zweitens: Die nächste Runde größer denken. Werte aus, was beim ersten Durchlauf gefehlt hat – nicht in Bezug auf das Ergebnis, sondern auf das Setup. War die Anmeldung einfach genug? Gab es klare Kommunikation über Ziel und Dauer? Haben Führungskräfte aktiv teilgenommen oder zumindest empfohlen? Diese Faktoren entscheiden über Skalierung.
Drittens: Den Einzelstarter als Multiplikator nutzen. Bitte die Person, beim nächsten Start persönlich für die Challenge zu werben – im eigenen Team, auf Abteilungsmeetings, im Gespräch. Peer-Empfehlung schlägt jede institutionelle Kommunikation. Laut einer Studie der Nielsen Company (2022) vertrauen 92 Prozent der Menschen Empfehlungen von Personen aus ihrem persönlichen Umfeld mehr als allen anderen Kommunikationskanälen.
Viertens: Teamstruktur einbauen. Beim nächsten Durchlauf sollten nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Teams teilnehmen können. Der soziale Aspekt ist der entscheidende Hebel für Mitarbeitermotivation und Teambuilding. Eine Schritte-Challenge ohne Teamdimension verschenkt ihren größten Wirkungsmechanismus.
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Die Eberhard Karls Universität Tübingen hat bewiesen, dass der erste Schritt keine große Gruppe braucht – er braucht nur den Mut, ihn zu tun. instingo.de macht genau diesen ersten Schritt so einfach wie möglich: Die Plattform ist in wenigen Minuten einsatzbereit, lässt sich auf jede Unternehmensgröße und jeden Standort anpassen und bietet eine intuitive Benutzeroberfläche, die keine IT-Einführung erfordert. Ob mit einem Teilnehmer oder mit hundert – eine Challenge auf instingo funktioniert vom ersten Tag an.
Wenn Sie als HR-Verantwortliche oder Geschäftsführerin gerade überlegen, ob der Zeitpunkt für eine Schritte-Challenge in Ihrer Organisation stimmt: Er stimmt. Nicht weil die Bedingungen perfekt sind, sondern weil der einzige Weg zu einer gelebten Bewegungskultur über den ersten Schritt führt. Tübingen hat das mit 120.333 Schritten und einer einzigen Person bewiesen.
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